Markennennungen im Web korrelieren mit KI-Sichtbarkeit zu 0,664 – mehr als drei Mal stärker als Backlinks mit 0,218. Das ergab eine Ahrefs-Studie über 75.000 Marken (Quelle: Ahrefs, Mai 2025). Für Sie heißt das: Ob eine KI Ihren Betrieb empfiehlt, hängt inzwischen weniger davon ab, wer auf Sie verlinkt – und mehr davon, wer über Sie schreibt.
Zwei Jahrzehnte lang galt eine einfache Regel. Wer im Netz gefunden werden wollte, brauchte Backlinks. Verweise von anderen Seiten, am besten von großen. Ganze Agenturen lebten davon, diese Links zu beschaffen. Das Prinzip funktionierte, weil Googles Ranking-Logik auf Verlinkung aufgebaut war.
Diese Logik bekommt gerade Konkurrenz. Wenn Sie eine Frage in ChatGPT, Perplexity oder eine Google-Suche mit AI Overview eingeben, klicken Sie oft gar nicht mehr auf ein Ergebnis. Sie bekommen eine fertige Antwort. Und in dieser Antwort taucht Ihr Betrieb entweder auf – oder nicht.
Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?
SEO – Suchmaschinenoptimierung – zielt darauf, dass Ihre Seite in einer Liste von Links möglichst weit oben steht. Der Nutzer sieht zehn blaue Links und entscheidet, welchen er anklickt.
GEO steht für Generative Engine Optimization. Der Begriff stammt aus einem Paper der Princeton University, das generative Suchmaschinen als eigenes Paradigma beschreibt: Systeme, bei denen ein Sprachmodell Informationen aus vielen Quellen einsammelt und zu einer einzigen Antwort zusammenfasst (Quelle: Princeton University / arXiv, August 2024). Es gibt keine Linkliste mehr. Es gibt eine Antwort – und die Frage, ob Ihr Name darin vorkommt.
Der Unterschied ist nicht nur technisch. Er verschiebt, worauf es ankommt. Bei SEO optimieren Sie eine Seite. Bei GEO optimieren Sie Ihre Präsenz im gesamten Netz – überall dort, wo eine KI nachschauen könnte, um sich ein Bild von Ihrem Betrieb zu machen.
Ein Bild, das viele Betriebe unterschätzen: Die KI liest nicht nur Ihre Website. Sie liest Branchenverzeichnisse, Fachforen, Presseartikel, YouTube-Beschreibungen, Bewertungsportale. Und sie zählt mit, wer dort über Sie spricht.
Warum zählen Markennennungen mehr als Backlinks?
Ein Backlink ist eine technische Verbindung. Seite A verweist auf Seite B. Eine Markennennung ist etwas Anderes: Jemand schreibt Ihren Namen – ob verlinkt oder nicht. „Der Betrieb XY hat uns die Heizung eingebaut." Das ist eine Nennung. Für Google jahrelang wertlos, weil kein Link dranhing. Für eine KI ein Signal.
Die Ahrefs-Studie hat genau das gemessen. Nicht nur Web-Nennungen schlagen Backlinks – auch markenbezogener Anchor-Text (0,527) und das Suchvolumen nach Ihrem Markennamen (0,392) korrelieren deutlich stärker mit KI-Sichtbarkeit als klassische Backlinks (0,218). Die drei stärksten Signale sind allesamt Off-Site-Faktoren rund um Ihre Marke (Quelle: Ahrefs, Mai 2025).
Backlinks sind damit nicht tot. Eine Semrush-Analyse von 1.000 Domains zeigt, dass Domains mit starker Backlink-Autorität häufiger in KI-Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity auftauchen (Quelle: Semrush, 16. Oktober 2025). Aber die Betonung liegt auf Autorität, nicht Menge. Zehn Verweise von echten, relevanten Quellen wiegen mehr als tausend gekaufte Links aus Linkfarmen.
| Faktor | Korrelation mit KI-Sichtbarkeit | Quelle |
|---|---|---|
| Markennennungen im Web | 0,664 | Ahrefs, Mai 2025 |
| Markenbezogener Anchor-Text | 0,527 | Ahrefs, Mai 2025 |
| Suchvolumen nach Markenname | 0,392 | Ahrefs, Mai 2025 |
| Backlinks (Menge) | 0,218 | Ahrefs, Mai 2025 |
Die Größenordnung wird an einer zweiten Zahl greifbar: Marken mit den meisten Web-Nennungen erhalten bis zu zehnmal mehr Erwähnungen in AI Overviews als das nächstniedrigere Quartil (Quelle: Ahrefs, Mai 2025). Das ist kein leichter Vorteil. Das ist ein Abstand.
Warum ist das gerade jetzt wichtig?
Weil der Klick verschwindet. 2024 endeten in der EU 59,7 Prozent aller Google-Suchen ohne einen einzigen Klick (Quelle: SparkToro, 1. Juli 2024). In den ersten vier Monaten 2026 waren es bereits 68 Prozent – ein Anstieg um 7,5 Prozentpunkte gegenüber den zwei Jahren davor (Quelle: SparkToro, 8. Juni 2026).
Für Deutschland liegen konkrete Zahlen vor. Eine normale Suche führt hierzulande in 57 Prozent der Fälle zu einem Klick auf ein organisches Ergebnis. Sobald ein AI Overview erscheint, sinkt dieser Anteil auf 33 Prozent. Sistrix rechnet das auf 265 Millionen verlorene organische Klicks in Deutschland hoch – rund 6,6 Prozent aller organischen Klicks (Quelle: Sistrix, 25. Februar 2026).
Rechnen Sie das auf Ihren Betrieb herunter. Ein Drittel weniger Klicks bei jeder Suche, in der Google eine KI-Antwort einblendet. Wenn Ihr Name in dieser Antwort steht, ist der verlorene Klick kein Verlust – der Kunde hat Sie ja bereits gesehen. Wenn Ihr Name fehlt, ist der Klick weg und der Interessent auch.
Welche Rolle spielt YouTube?
Eine größere, als die meisten erwarten. In einer Folgeanalyse fand Ahrefs, dass YouTube-Nennungen den stärksten Zusammenhang mit AI-Overview-Sichtbarkeit überhaupt zeigen – YouTube ist laut Ahrefs Brand Radar die meistzitierte Domain in AI Overviews (Quelle: Ahrefs, Januar 2026).
Das ergibt Sinn, wenn man weiß, dass YouTube zu Google gehört und die Plattform voller praktischer Erklärungen steckt. Für einen Handwerks- oder Fachbetrieb heißt das nicht, Influencer zu werden. Es heißt: Ein sauber betiteltes Video, das eine echte Kundenfrage beantwortet, ist ein Signal, das Google-KI ernst nimmt.
Wie messen Sie, ob Ihre Marke überhaupt vorkommt?
Der erste Schritt ist unromantisch: nachschauen. Stellen Sie ChatGPT, Perplexity und Google die Fragen, die Ihre Kunden stellen würden. „Wer macht in [Ihre Stadt] Fenstermontage?" Steht Ihr Name da? Steht der des Wettbewerbers?
Für die systematische Messung gibt es Werkzeuge – Profound, Otterly, Ahrefs Brand Radar. Sie verfolgen, wie oft und in welchem Zusammenhang Ihre Marke in KI-Antworten auftaucht, und über welche Quellen die KI auf Sie kommt. Diese Zahlen sind die Grundlage für jede Entscheidung. Wer nicht misst, optimiert im Dunkeln.
Und hier liegt der Punkt, der über eine schnelle Anleitung hinausgeht. Eine einzelne Momentaufnahme sagt Ihnen, wo Sie heute stehen. Sie sagt Ihnen nicht, ob Ihre Maßnahmen wirken. KI-Antworten ändern sich, Wettbewerber holen auf, Modelle werden neu trainiert. Sichtbarkeit in generativen Suchmaschinen ist kein Projekt mit Enddatum. Es ist ein Zustand, den Sie halten – oder wieder verlieren.
Was folgt daraus für Ihren Betrieb?
Kurz gesagt: Hören Sie auf, Links zu jagen. Fangen Sie an, Erwähnungen zu verdienen.
Das Princeton-Paper liefert dazu einen brauchbaren Hinweis: Inhalte, die konkrete Zahlen, Quellen und klar zitierbare Aussagen enthalten, werden von generativen Systemen bevorzugt aufgegriffen. Nicht Keyword-Dichte zählt, sondern belegbare Substanz. Ein Fachartikel, der eine echte Frage sauber beantwortet, wird eher zitiert als eine mit Suchbegriffen vollgestopfte Seite.
Ein paar Ansatzpunkte, die für einen Mittelständler realistisch sind:
- Fachpresse und Branchenmedien. Ein Interview, ein Gastbeitrag, eine Erwähnung in einem regionalen Wirtschaftsteil – jede unbezahlte Nennung ist ein Signal.
- Verzeichnisse und Bewertungsportale aktuell und vollständig halten. Die KI liest dort mit.
- Echte Inhalte zu den Fragen Ihrer Kunden, mit Zahlen und klarer Sprache.
- YouTube für die Themen, bei denen ein Video mehr sagt als ein Absatz.
Das klingt nach viel. Es ist auch viel – vor allem ist es nichts, was man einmal erledigt und abhakt. Die Betriebe, die in KI-Antworten auftauchen, haben das nicht in einem Quartal geschafft. Sie tun es dauerhaft und messen, was wirkt. Genau da setzen wir an: nicht mit einer Liste zum Abarbeiten, sondern mit der laufenden Messung Ihrer KI-Sichtbarkeit und der konsequenten Arbeit an den Signalen, die den Unterschied machen. Der erste Schritt bleibt derselbe – zu wissen, wo Sie heute stehen.
Häufige Fragen
Was bedeutet GEO für mich als Mittelständler?
GEO – Generative Engine Optimization – heißt, Ihren Betrieb so im Netz zu positionieren, dass KI-Systeme wie ChatGPT oder Google AI Overviews Sie in ihren Antworten nennen. Der Hebel liegt nicht mehr allein auf Ihrer Website, sondern auf Erwähnungen überall dort, wo eine KI nachschaut.
Lohnt sich klassisches Linkbuilding überhaupt noch?
Ja, aber anders gewichtet. Backlinks korrelieren nur zu 0,218 mit KI-Sichtbarkeit, Markennennungen zu 0,664 (Quelle: Ahrefs, Mai 2025). Autorität einzelner Verweise zählt weiter, Masse an gekauften Links kaum. Wer Budget hat, investiert es besser in echte Erwähnungen als in reine Linkmengen.
Wie merke ich, ob meine Marke in ChatGPT oder AI Overviews erwähnt wird?
Stellen Sie den Systemen selbst die Fragen Ihrer Kunden und prüfen Sie, ob Ihr Name fällt. Für die dauerhafte Beobachtung gibt es Werkzeuge wie Profound, Otterly oder Ahrefs Brand Radar, die Erwähnungen und Quellen systematisch verfolgen.
Muss ich jetzt meine gesamte SEO-Strategie umstellen?
Nein. Gute SEO – schnelle, saubere, inhaltlich starke Seiten – bleibt die Basis. GEO kommt als Ebene dazu: der Fokus auf Markennennungen außerhalb Ihrer eigenen Seite. Umstellen müssen Sie nichts, ergänzen schon.
Verliere ich als kleines Unternehmen automatisch Sichtbarkeit durch AI Overviews?
Nicht automatisch. AI Overviews senken die Klickrate in Deutschland von 57 auf 33 Prozent (Quelle: Sistrix, 25. Februar 2026). Ob Sie das trifft, hängt davon ab, ob Ihr Name in der KI-Antwort steht. Steht er drin, ersetzt die Nennung den verlorenen Klick.
Was sind Markennennungen konkret und wie bekomme ich mehr davon?
Jede Stelle im Netz, an der Ihr Firmen- oder Markenname genannt wird – ob verlinkt oder nicht. Mehr davon bekommen Sie durch Fachpresse, gepflegte Verzeichnisse, echte Inhalte zu Kundenfragen und Videos. Kontinuierlich, nicht in einer einmaligen Aktion.